01.05.2008
My first "Sprout"
Eingestellt von
goal
0
Kommentare
09.02.2008
Frauen. Energie. Technik. Zukunft?
Vor allem das Sammeln des Brennstoffs überlässt er gerne den Frauen, jedenfalls dort, wo der Strom nicht aus der Steckdose kommt. Bekanntes Bild, das beim Thema Frauen und Energie vor dem inneren Auge erscheint: schwarze Frau mit Kind auf dem Rücken und riesigem Stapel Brennholz auf dem Kopf. Für Millionen von Frauen und Mädchen ist dies auch immer noch Realität, durch Entwaldung und Klimawandel sogar unter erschwerten Bedingungen.
In Bangladesch zum Beispiel leben 80% der Bevölkerung in ländlichen Regionen, verfügen aber nur über 20% der kommerziell bereitgestellten Energie. Unter Mitberücksichtigung traditioneller Energiequellen werden jedoch über 70% des Energieverbrauchs durch Biomasse gedeckt. Die Belastung der Frauen besteht nicht nur in der wörtlich zu verstehenden Last durch das Holzsammeln, sondern auch in den Schadstoffen wie Feinstaub und Kohlenmonoxid aus der Nutzung der Biobrennstoffe zum Kochen. In Indien etwa stehen Probleme wie chronische Bronchitis und andere Atemwegserkrankungen durch Luftverschmutzung in Innenräumen an dritter Stelle aller Gesundheitsrisiken.
Initiativen zur Verbreitung effizienter Kochherde sind ein erster Schritt zur Verbesserung dieser Situation. Ein nächster Schritt wären saubere Brennstoffe, etwa Biogas. Bei der Förderung ländlicher Energieprojekte wird jedoch oft die Stromerzeugung favorisiert, mit dem Argument, Elektrifizierung sei der Schlüssel zur ökonomischen und sozialen Entwicklung in den ländlichen Regionen. Inwieweit die dadurch möglichen Stromanwendungen den Frauen weiterhelfen, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Sicher ist es auch für die Frauen nützlich, abends Licht zu haben, ob sie jedoch an Informations- und Kommunikationstechnologien und am Betrieb der Versorgungsanlagen wirklich teilhaben können, ist angesichts der Geschlechterrollen in vielen Ländern fraglich. Mir ist nur ein einziges ländliches Solarstromprojekt bekannt, das von Frauen betrieben wird. Ansonsten besteht die Gefahr, dass den Frauen zugunsten der Männer die Kontrolle über Energie entzogen wird. Schließlich geht es in der Regel um technische Anlagen. Hier unterscheiden sich traditionelle Gesellschaften und unsere hochtechnisierte Gesellschaft nur gering: Welche Ehefrau kann denn bei uns die Heizung bedienen? Wer trifft die Entscheidung, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren?
Dass in der konventionellen Energiebranche der Frauenanteil gering ist, sind wir gewohnt. Dass sich dies in der stark wachsenden Zukunftsbranche „erneuerbare Energien“ kaum geändert hat, ist jedoch ernüchternd. Der Frauenanteil ist dort nahezu so niedrig wie bei den etablierten Stromversorgungsunternehmen. Einen spontanen Eindruck vermittelt eine google-Bildersuche, etwa mit den Begriffen „Vorstand“ und „erneuerbare Energie“: Fotos wie nach einer Epidemie, die ausschließlich Frauen befällt.
Auch wenn die Erneuerbare-Energie-Branche ursprünglich mit großen Idealismus angetreten ist, ist in vielen dieser Betriebe von der Vision nichts mehr zu spüren – nicht nur, was den Frauenanteil anbetrifft. Doch hier findet Wachstum statt, angetrieben vom Klimaschutz und steigenden Energiepreisen. In Deutschland ist die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien jährlich um 15% gestiegen, mittlerweile liegt die Zuwachsrate sogar bei 20%. Der Frauenanteil liegt in der gesamten Branche allerdings bei nur 25%, die Frauen profitieren also nicht im selben Maße vom Boom.
Ist hier die Entwicklung an den Frauen vorbeigegangen? Oder sind die Frauen wirklich die besseren Menschen, die weiterhin unbezahlte Arbeit in Initiativen machen, während sich die männlichen Manager der erneuerbaren Energiebranche anständige oder auch schon unanständige Gehälter zubilligen?
Desinteressiert sind die Frauen an den umweltfreundlichen Energieversorgungsoptionen beileibe nicht. Die Einstellungen von Frauen zu Energie und Umwelt unterscheiden sich deutlich von der der Männer. In Deutschland sorgen sich Frauen mehr um die Umwelt als Männer, und sie stufen einige der bedeutendsten Umweltprobleme gravierender ein. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den Themen Verkehr und Atomenergie.
Gleichzeitig zeigen die Umfragen, dass die Handlungsbereitschaft der Frauen größer ist als die der Männer, und dass sie von der Politik ein entschiedeneres Durchgreifen erwarten, besonders im Klimaschutz. Andererseits ist ihr Informationsbedarf höher, zumindest ihr gefühltes Informationsdefizit.
Während Frauen eher bereit sind, ihr Verhalten zu ändern und beispielsweise Energie zu sparen, ist die Idee einer „unendlichen“ Energiequelle“ eine typische Männervision. Frauen sind von solchen Technikutopien meist nicht befallen, sondern sehen eher ein, dass die Lösung nicht in einer einzigen Technologie zu finden ist, sondern in vielen Bausteinen: Energieeffizienz, erneuerbare Energiequellen, und nicht zuletzt Verhaltensänderungen.
Besonders deutlich zeigt sich dies im Verkehrsbereich: Die Biokraftstoffe wie Rapsöl oder Biodiesel sind seit kurzem in Misskredit geraten, weil deutlich wurde, dass ein erheblicher Teil dieser weitgehend klimaneutralen Kraftstoffe nicht nachhaltig produziert wird. Ihre Erzeugung zieht oft negative Folgen nach sich, sei es die Abholzung von Tropenwäldern zugunsten von Ölpalmenplantagen, sei es die Verteuerung von Lebensmitteln. Promotet werden die Biokraftstoffe vor allem von Männern, die hoffen, dass sie der schlichte Ersatz des herkömmlichen Sprits durch Biokraftstoffe einer einschneidenden Veränderung ihres Mobilitätsgebarens entheben würde. Leider ist das so einfach nicht.
Umwelt- und klimaverträgliche Mobilität braucht strukturelle Änderungen – heftige Verschiebungen vom Individualverkehr zu öffentlichen Verkehrsmitteln, und, für den restlichen Individualverkehr, Fahrzeuge, die mit deutlich weniger Sprit auskommen. Da muss Mann irgendwann einmal akzeptieren, dass er auch mit einem kleineren Wagen von A nach B kommt ohne einen Verlust seines Selbstwertgefühls zu erleiden. Die Frauen haben das längst verstanden, beim Autokauf bewerten sie Verbrauch, Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit merklich höher als Männer. Vielleicht sind wir doch die besseren Menschen?
Eingestellt von
goal
1 Kommentare
08.02.2008
Autorikscha mit sauberem Gewissen
Eingestellt von
goal
1 Kommentare
11.01.2008
UN-Klimakonferenz COP13 - sagenhaft?
Wie wir wissen, ist das auch bei den Klimakonferenzen so, nicht nur bei denen, die in Bali stattfinden. Bisher behielten zwar immer die Bremser die Oberhand, aber eigentlich wissen wir alle, dass die Einsicht in die Notwendigkeit drastischer Klimaschutzmaßnahmen letztlich nicht aufzuhalten ist. Fatal ist nur, dass der temporäre Sieg der bösen Kräfte zu irreversiblen Folgen führt, die bereits in aller Welt spürbar sind.
Es dauerte nicht nur die letzte Nacht, sondern brauchte sogar noch einen zusätzlichen Tag, bis die Verhandlungsführung der USA so weichgeklopft war, dass sie gewisse Zusagen machte, auch wenn konkrete Zielwerte für die Klimaschutzverpflichtungen nicht benannt wurden, die sich die EU und viele andere Staaten gewünscht hatten. Auch die Entwicklungsländer waren nun bereit, gewisse noch zu definierende mess- und überprüfbare Verpflichtungen einzugehen, wenn die Industrieländer Finanzen, Technologien und Capacity-Building bereitstellen. Das klingt alles auf den ersten Blick nicht umwerfend, ist aber ein bedeutender Schritt vorwärts vom unverbindlichen Dialog zu konkreten Verhandlungen, die 2009 abgeschlossen sein sollen.
REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) ist die Zauberformel, und eine wachsende Koalition von Tropenwaldländern erhofft sich massive Finanztransfers, wenn sie beim Erhalt ihrer gesamten restlichen Waldbestände nachweisbare Fortschritte machen. REDD soll Teil der langfristigen Vereinbarungen werden, erste Schritte zur Entwicklung von Handlungsoptionen, Projekten und Methoden sind beschlossen. Dabei soll auch, so der vereinbarte Text, auf die Bedürfnisse der lokalen und indigenen Gemeinschaften Rücksicht genommen werden. Jedoch ist noch offen, ob die Finanzierung durch einen neuen Fonds geschehen soll oder dem Zertifikatemarkt überlassen wird.
Frauen und ihre Initiativen haben sich jetzt im Netzwerk „gender-cc - Women for Climate Justice“ zusammengeschlossen und weltweit abgestimmte Positionen auf die Klimakonferenz eingebracht. Ein weiteres strittiges Thema, zu dem die Frauen Position bezogen: die Renaissance der Atomkraft. Japan hatte vorgeschlagen, Nuklearprojekte unter dem Clean Development Mechanismus zuzulassen, also im projektbasierten Zertifikatehandel mit den Entwicklungsländern. Der Widerspruch von Seiten der Umweltverbände war erstaunlich verhalten, von seiten der Frauen dafür um so entschiedener.
Eine Reihe von Organisationen vorwiegend aus den Bereichen Wald, indigene Völker und soziale Bewegungen hat sich zusammengeschlossen, um die einseitige Fokussierung auf marktbasierte Instrumente zu durchbrechen. Neben dem täglichen halboffiziellen Konferenzbericht „Earth Negotiations Bulletin“ des International Institute for Sustainable Development (IISD) und dem CAN-Newsletter „eco“ ist dies im „alter-eco“ der alternativen Gruppierungen nachzulesen.
Eingestellt von
goal
0
Kommentare
19.10.2007
Stadtplanung für den Klimaschutz ... vergessen?
Raum- und Stadtplanung stellen entscheidende Weichen für die zukünftige Kohlenstoffintensität unserer Gesellschaft. Die Lage von Baugebieten, Gebäudedesign, Service- und Verkehrsinfrastruktur bestimmen weitgehend den Bedarf an Heizenergie und Mobilität. Wärmenetze mit effizienten Anlagen und gebäudeintegrierte Anlagen für Solarstrom oder -wärme können den Energiemix in Richtung emissionsarme Versorgung verschieben. Umgekehrt kann die beste Einspeisevergütung für erneuerbaren Strom nicht greifen, wenn auf lokaler Ebene keine Standorte für die Anlagen vorgesehen sind.
In der internationalen Klimadebatte spielt das Thema dennoch keine Rolle. Wer dort diskutiert und entscheidet, hat vorrangig technologische Lösungen im Blick. Der Zertifikatehandel, der diese stimuliert, scheint deshalb das politische Instrument der Wahl zu sein.
Aber gerade die mittel- und langfristig besonders wichtigen planerischen und Infrastrukturmaßnahmen, die letztlich die Strukturen bestimmen, in denen wir wohnen und innerhalb der wir uns bewegen, garantieren keine für den Zertifikatehandel verwertbaren Emissionsminderungen. Sie wirken nur längerfristig und lassen sich keiner einzelnen Maßnahme eindeutig zuordnen.. Klimaschutzorientierte Stadtplanung erhält deshalb durch die Kyoto-Mechanismen und den Emissionshandel keine finanziellen Anreize. Auch wenn der Zertifikatehandel auf die einzelnen VerbraucherInnen heruntergebrochen würde, wie dies von verschiedenen Seiten vorgeschlagen wird, so kann er – ähnlich wie Energiesteuern oder andere ökonomische Instrumente – die Strukturen nicht beeinflussen, die von lokalen und regionalen Behörden geschaffen werden.
Kurzsichtige Agenda
Urban sprawl, die vor allem aus den USA bekannte und berüchtigte Zersiedelung, ist auch in Europa nicht gestoppt. Eine Studie der Europäischen Umweltagentur (Urban sprawl in Europe. The ignored challenge) weist dies nach und mahnt an, das Thema auf die Agenda zu setzen. Dass es dabei nicht nur um den schonenden Umgang mit Flächen, sondern auch um den Klimaschutz geht, zeigen die transportbedingten Pro-Kopf-Emissionen in amerikanischen Städten, die dort typischerweise die Hälfte der kommunalen CO2-Emissionen ausmachen. Im vergangenen Jahrzehnt ist der Flächenbedarf europäischer Städte um etwa 5% gewachsen, ohne einen entsprechenden Anstieg der Gesamtbevölkerung. Mit dazu beigetragen haben im übrigen die Strukturhilfen der EU. Pro Kopf wird in europäischen Städten heute doppelt so viel Platz beansprucht wie vor 50 Jahren. Auch wenn in einigen Regionen Europas die Wachstumsdynamik Schrumpfungsprozessen gewichen ist, wächst die Gefahr klimaschädlicher Stadtentwicklung in allen anderen Teilen der Welt massiv an.
Quantifiziert ist die Rolle der Raum- und Stadtplanung für den Klimaschutz bisher noch nicht systematisch, aber es ist offensichtlich, dass sie bedeutsam ist, um mittel- und langfristige Entwicklungen zu steuern. Dies betrifft gerade die Sektoren Haushalte, Kleinverbraucher und Verkehr, in denen die Klimaschutzpolitik in den meisten Ländern erfolglos blieb. Um so verwunderlicher, dass das Thema so wenig Beachtung findet. Eine Reihe von klimaschutzengagierten Städten gibt sich redlich Mühe, tut sich aber bei der Integration von Umwelt und Stadtplanung oft schwer. Die Mehrheit der Städte verfolgt vorrangig eine kurzsichtige Wachstumsagenda, bei Interessens- und Zielkonflikten hat der Klimaschutz das Nachsehen.
In Deutschland fehlen Impulse von nationaler oder Länderseite weitgehend. So behandeln die letztes Jahr verabschiedeten Leitbilder und Handungsstrategien der deutschen Ministerkonferenz für Raumordnung den Klimawandel nur als Frage der „wachsenden Sensibilität für die Folgen des Klimawandels“ und befassen sich weder mit den Erfordernissen des Klimaschutzes noch mit der Anpassung an Klimaveränderungen. Zudem wirkt die Rechtslage kontraproduktiv und verhindert, dass Städte über gesetzliche Vorgaben hinausgehende Richtwerte festsetzen können, etwa für den Wärmeschutzstandard von Gebäuden. Auch die letzte Novellierung des Baugesetzbuchs hat keine ausreichende Handhabe für klimaschutzbezogene Festsetzungen geschaffen, wie ein von Klima-Bündnis beauftragtes Rechtsgutachten zeigte. Angesichts fehlender Rechtssicherheit bleiben die Kommunen nach Befragung ihrer Rechtsämter meist auf der sicheren Seite, zumal die Eingriffsmöglichkeiten der Länder die Situation noch unübersichtlicher machen.
Einige Lichtblicke
Anders die Situation in einigen anderen europäischen Staaten: Skandinavische Städte beispielsweise verfügen in der Regel über größere rechtliche und finanzielle Handlungsspielräume. Besonders in Schweden werden integrierte Ansätze zum kommunalen Klimaschutz von nationaler Seite massiv gefördert. Nicht nur Stockholm oder Malmö, sondern auch viele kleine Kommunen verfolgen ehrgeizige Klimaschutzprogramme.
Niederländische Städte sind bekannt für ihre Tradition in der nachhaltigen Siedlungsplanung, die zu herausragenden Beispielen geführt hat, genannt sei hier nur die Fahrradstadt Tilburg. Die niederländische Regierung gewährt für kommunale Klimaschutzprogramme finanzielle Anreize. Allerdings ist dort im Bereich der verkehrsvermeidenden Planung eine gewisse Ernüchterung eingetreten. Nach dem Regierungswechsel im Jahr 2002 wurde sogar das Leitbild der kompakten Stadt und das nationale ABC-Planungssystem aufgegeben, das die wirtschaftliche Entwicklung auf Transportknoten konzentrieren sollte. Zunehmende Mobilität sei gleichsam ein Naturgesetz, Einschränkungen und Auflagen sollen vermieden werden, so die Regierung. Natürlich kann die Raumplanung alleine das Mobilitätsproblem nicht lösen, aber sie kann die Voraussetzungen für nachhaltige Mobilität schaffen – oder dies verbauen.
Schon legendär ist die Solarverordnung der Stadt Barcelona, die seit dem Jahr 2000 für alle Neubauten und Gebäudesanierungen einen Deckungsgrad von 60% durch solare Warmwasserbereitung vorschreibt. Sie wirkt: Seit Inkrafttreten vervielfachte sich die Kollektorfläche von etwa einem Quadratmeter pro Kopf auf über 13. Eine ganze Reihe von Städten, z. B. Sevilla und Pamplona, trafen in der Folge vergleichbare Regelungen. Die Ironie an der Sache ist, dass sich Barcelona eine Berliner Regelung zum Vorbild nahm, die dort wegen rechtlicher Bedenken nie umgesetzt wurde.
Eine lebhafte Debatte, wie Stadtplanung strategisch als Klimaschutzinstrument einzusetzen ist und welche realen Eingriffsmöglichkeiten kommunale und regionale Behörden haben, hat sich in Großbritannien entwickelt. Auch wenn derzeit ein gewisses Umsetzungsdefizit beklagt wird, gibt es doch konkrete Schritte: Die Regierung hat den Klimaschutz und die Anpassung an Klimaveränderungen in ihre Vorgaben für die Raumplanung auf regionaler und lokaler Ebene integriert: Kommunen sollen sicherstellen, dass sie in der Entwicklungsplanung die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigen (siehe z. B. Planning Policy Statement 1). Dazu erhielten die Städte und Gemeinden Handlungsanleitungen und sie wurden explizit ermächtigt, ähnliche Regelungen wie Barcelona zu treffen oder über bestehende Wärmeschutzanforderungen hinauszugehen. Der Londoner Bezirk Merton stellt etwa die Anforderung an Enwicklungsvorhaben ab einer bestimmten Größenordnung, 10% des prognostizierten Energiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken.
Die Frage ist, wie solche Ansätze zum Standard für alle Städte in Europa und weltweit werden können. Die EU befasst sich zwar seit einigen Jahren intensiv mit Raumplanung, hat aber auf politischer Ebene wenig zur Debatte um die Verbindung von Klimaschutz und Stadtplanung beigetragen. Im Entwurf zur „Thematischen Strategie für die städtische Umwelt“ im Rahmen des 6. Umweltaktionsprogramms blieb Klimaschutz zunächst völlig außen vor. Nach Interventionen des Klima-Bündnis und anderer Städtenetzwerke wurde das Thema Klimawandel zwar in die Endfassung aufgenommen, blieb aber auf städtischen Nahverkehr und nachhaltiges Bauen beschränkt, ohne grundlegendere Fragen der Siedlungsstrukturen anzusprechen oder dafür gar Vorschläge zu formulieren.
Von der Ausnahme zur Regel
Was muss passieren? Zunächst brauchen die Städte Vorgaben, Leitlinien, Kriterien, Leitfäden. Zusätzlich sollten Anreize geschaffen werden, zunächst basierend auf bewährten Regelungen und Maßnahmen, zukünftig, nach systematischer Untersuchung der Einflussgrößen und Wirkungen, auch auf der Grundlage von realisierten Erfolgen, nachweisbar anhand von Indikatoren. Zum Dritten muss die Zusammenarbeit der Kommunen stimuliert und gefördert werden, in der Region zur Abstimmung der Planungen, über die Region hinaus zur Vermeidung schädlicher Konkurrenz, und auch international zum Transfer von Expertise und Erfahrungswissen.
Wie lebens- und liebenswert und gleichzeitig klimaschonend gebaute Umwelt sein kann, zeigen Beispiele wie die Neubausiedlung „Am Kronsberg“ in Hannover, das Quartier Vauban in Freiburg, die prämierten Solarsiedlungen in Nordrhein-Westfalen oder die energieautarken ländlichen Regionen wie Güssing in Österreich, um nur einige der bekanntesten zu nennen. Solche noch vor einigen Jahren visionären Projekte gilt es, im Sinne von Klimaschutz und Nachhaltigkeit flächendeckend zu verwirklichen.
Veröffentlicht in "politische ökologie", Ausgabe 11/2007
Eingestellt von
goal
0
Kommentare
09.08.2007
Profiteure des Klimawandels: Katzen

Habe gerade gelesen, dass ein ernstzunehmender Blog eigentlich nicht ohne Katzenfotos auskommt. Hier also meine Blog-Katze: Sie kam öfter mal zu Besuch und verhielt sich sehr eigenwillig, stürzte aber bei Schnee und Sturm vermutlich vom Dach und ward nicht wieder gesehen. Ein Opfer des Wetters, aber sicher nicht des Klimawandels. Dass letzerer auch vor Katzen nicht haltmacht, berichtete kürzlich der "Toronto Star": Wegen des milden Wetters erhalten die Katzen auch im Winter öfter mal Ausgang, die Folge ist bereits beobachtbar: eine Bevölkerungsexplosion. Hilft hoffentlich gegen Ratten, die ja immer zu den Gewinnern gehören, egal was passiert.
Eingestellt von
goal
0
Kommentare
27.06.2007
Wohnen und arbeiten, effizient und elegant
Es gibt mittlerweile auch schöne Passivhäuser ...
... hier ein Bürogebäude

.. und ein Wohnhaus, beides in Villach - Kärnten - Österreich.
Eingestellt von
goal
0
Kommentare
06.06.2007
Eisblock in Città di Castello enthüllt
Es hat geklappt! Auch in Italien hat der Eisblock, dank guter Wärmedämmung, gehalten, was seine Einpack-Crew versprochen hatte. Unter den Augen der auf der Piazza versammelten umbrischen Öffentlichkeit wurde gestern das Häuschen geschlachtet, in dem der Eisblock verborgen war. Obwohl in den letzten sieben Wochen, während die Wette lief, dank der sommerlichen Temperaturen laufend ein kleines Rinnsal von Schmelzwasser sichtbar war, blieb doch unerwartet viel übrig: 74,5%! Man sieht, auch die Italiener können wärmedämmen, und mindestens gegen die zunehmende Hitze werden sie in Zukunft das auch brauchen.
Siehe auch: Start Eisblockwette
Eingestellt von
goal
0
Kommentare
Internationale Klimapolitik nach Kyoto und die Grenzen der grünen Marktwirtschaft
In der Debatte um die zukünftigen Klimaschutzverpflichtungen nach der Kyoto-Periode wird der Ruf nach Einbezug der Entwicklungsländer, insbesondere der Schwellenländer, immer lauter. Das hat gute Gründe: China hat sich mittlerweile im Ranking der größten Emittenten an den zweiten Platz nach den USA vorgeschoben, Indien liegt vor Deutschland auf dem sechsten Platz. Wenn wir nach den Pro-Kopf-Emissionen sortieren, liegen China und Indien immer noch relativ weit hinten, Länder wie Korea und Südafrika allerdings bewegen sich längst in der Liga der Industrieländer mit Kyoto-Zielen.
Im internationalen Prozess werden die zukünftigen Verpflichtungen auf zwei Schienen diskutiert, die auf der Klimakonferenz in Montreal vor anderthalb Jahren gelegt wurden. Ein unverbindlicher, breit angelegter Dialogprozess unter dem Dach der Klimarahmenkonvention befasst sich mit Ideen und Optionen für ein zukünftiges Klimaregime. Schon eher ins Eingemachte geht es in der Arbeitsgruppe für die Weiterentwicklung der Kyoto-Verpflichtungen. Die Entwicklungs- und Schwellenländer wollen hier allerdings keine Verpflichtungen für sich diskutiert sehen, die Arbeitsgruppe konzentriert sich also auf die Staaten, die bereits Verpflichtungen eingegangen sind.
Wollen die Schwellenländer außen vor bleiben? Schauen wir uns die Entwicklung in China etwas genauer an, so zeigt sich, dass dort in gewisser Weise eine klimafreundlichere Entwicklung erreicht wurde als in vielen anderen Staaten. China hat sich zum Beispiel ein Ausbauziel für die erneuerbaren Energien gesetzt und seine Umsetzung gesetzlich geregelt, inklusive Einspeisevergütung, Entwicklungs- und Finanzierungshilfen sowie Vorgaben für den regionalen und lokalen Ausbau der Erneuerbaren. Das enorme Wirtschaftswachstum treibt die chinesischen Emissionen in die Höhe, doch nicht in dem Maß, wie zu befürchten wäre. In den letzten zwei Jahrzehnten ist die CO2-Intensität der Wirtschaft halbiert worden. Bis zu einem gewissen Grad konnte also eine Entkopplung der Emissions- von der Wirtschaftsentwicklung erreicht werden. Ein Selbstläufer war diese Entwicklung nicht, denn andere Staaten haben Vergleichbares nicht geschafft, so etwa Brasilien, dessen CO2-Emissionen in den letzten 20 Jahren stärker wuchsen als die Wirtschaft. Erst seit wenigen Jahren nimmt die CO2-Intensität dort wieder ab. Oder schauen wir Spanien an, dessen Wirtschaft seit etwa 10 Jahren kräftig boomt. Eine Entkopplung ist hier nicht erreicht worden, im Gegenteil, die CO2-Intensität hat in diesem Zeitraum sogar leicht zugenommen.
Man kann also nicht behaupten, dass die Schwellenländer ohne Klimaverpflichtungen völlig untätig wären, eine differenzierte Betrachtung ist angesagt. Dennoch wird in Zukunft Verbindlichkeit und die Teilnahme der relevanten Länder gefragt sein. Eine bloße Erweiterung des Kyoto-Schemas wäre unzureichend. Statt dessen müssen zukünftige Verpflichtungen drei wesentlichen Kriterien genügen: das Gesamtziel muss problemadäquat sein, d.h. das Regime muss klimapolitisch wirksam sein. Außerdem muss es international gerecht sein, und es muss bei einer überwiegenden Mehrheit von Regierungen Akzeptanz finden. Eine Aufgabenstellung, die die Research Community laufend zu immer neuen Vorschläge und Ideen für ein Post-Kyoto-Regime beflügelt.
Klar ist, dass die ärmsten Länder auf lange Sicht keine Verpflichtungen auferlegt bekommen werden, sondern statt dessen auf Unterstützung für Anpassungsmaßnahmen und den Aufbau einer klimafreundlichen und schadstoffarmen Energieversorgung angewiesen sind. Mehr und mehr Länder werden sich jedoch bei steigender Tendenz ihrer Wirtschaftskraft und ihres Energieverbrauchs auf Klimaschutzverpflichtungen einlassen müssen, eine leidlich akzeptable Begrenzung des Klimawandels ist sonst nicht mehr möglich.
Erfolgversprechend klingt deshalb ein gewisser Automatismus, der gewährleistet, dass ein Land bei Überschreiten einer bestimmten Schwelle der Wirtschaftsentwicklung und/oder Emissionen pro Kopf in eine Verpflichtung „hineinwächst“. Wenn diese Schwelle von den Klimaschutzerfolgen der Industrieländer abhängig gemacht wird, lässt sich eine größere Akzeptanz der Entwicklungsländer erreichen. Glaubwürdigkeit ist ohnehin ein nicht zu unterschätzendes Argument in der internationalen Klimadiplomatie, Brüche zwischen Absichtserklärungen und tatsächlicher Umsetzung werden deutlich wahrgenommen. Gerade bei den Entwicklungsländern sitzt die Skepsis tief, dass man womöglich Klimaschutz gerade nur so weit treiben möchte, dass die eigene Autoindustrie daran nicht Schaden leidet.
Stellt sich als nächste Frage, wie die Verpflichtungen formuliert werden sollen. In der Regel geht man davon aus, dass dies früher oder später quantifizierte Begrenzungen der Emissionen sein müssen, eine Limitierung der globalen Treibhausgasemissionen lässt sich sonst nicht garantieren. Nach Zufallsprinzip bzw. Verhandlungsgeschick wie beim Kyoto-Protokoll wird das nicht mehr funktionieren, ein systematischerer Weg ist gefragt, der auf objektiven Kriterien basiert. Neben schlichten und einleuchtenden, aber schwer durchzusetzenden Vorschlägen wie dem Pro-Kopf-Ansatz „Contraction & Convergence“ und seinen Derivaten liegen dafür eine Reihe von modifizierten Vorschlägen auf dem Tisch, die nationale Besonderheiten wie die Wirtschaftsentwicklung und -struktur berücksichtigen.
Immer wieder wird vorgeschlagen, sobald solche Ziele festgelegt sind, entsprechende Emissionsrechte zu vergeben – im weitestgehenden Fall sogar individualisierte Emissionskontingente – und den Rest dem Emissionshandel zu überlassen. Auf jeden Fall würde das zu erheblichen Mittelflüssen von Reich nach Arm führen. Aber wäre das Problem dann wirklich gelöst? Würde der weltweite Handel mit Emissionsrechten wirklich das Klima retten und uns zugleich eine weltweit gerechte und nachhaltige Entwicklung bescheren?
Die bisherigen Erfahrungen zeigen: Die billigsten Reduktionspotentiale weltweit werden abgefuttert, weitergehende Optionen bleiben links liegen. Aus der Sanierung veralteter Industrieprozesse werden Zertifikate zum Spottpreis generiert, anstatt die Emissionen durch Auflagen zu verhindern. Kleinräumige Effizienzmaßnahmen unterbleiben, weil die Transaktionskosten zu hoch sind. Der „Carbon Market“ stimuliert die technologische Innovation, aber nicht die institutionelle und strukturelle Innovation. Handlungsoptionen wie etwa einer klimaschonenden Siedlungsplanung gibt der Zertifkatehandel keine Impulse. Gerade mittel- und langfristig besonders wichtige Maßnahmen, die zu verändertem Mobilitäts- und Konsumverhalten führen – seien es bewußtseinsbildende, planerische oder Infrastrukturmaßnahmen – garantieren in der Regel keine kurzfristig und eindeutig zuordenbare Emissionsminderung. Der Zertifikatehandel ist deshalb für sie blind.
Hier brauchen wir zusätzlich Politiken und Maßnahmen, nicht nur in den Industrieländern, sondern gerade auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Schauen wir nochmals nach China: Nach Schätzungen chinesischer Experten trägt der Verkehr bis zu 50% zur Umweltbelastung der Städte bei – eine Situation also wie in amerikanischen Städten, die für Zersiedelung und mangelnden ÖPNV berüchtigt sind. Auch chinesische Autoren betonen, dass Stadtplanung und Infrastrukturmaßnahmen der Schlüssel zur Entlastung der Städte sind, während rein technische Maßnahmen höchstens den Zuwachs an Fahrzeugen und Kilometerleistung kompensieren können. Gerade in Asien werden deshalb derzeit unter dem Schlagwort „Co-benefits“ die Synergieeffekte von Luftreinhaltepolitik und Klimaschutzpolitik verstärkt thematisiert.
In Städten und Regionen werden entscheidende die Weichen für eine kohlenstoffeffiziente Gesellschaft („low-carbon society“) gestellt. Doch für die nachhaltige und klimaschonende Siedlungsentwicklung in Nord und Süd sehen die internationalen Vereinbarungen noch keinerlei Anreize vor. Die in einigen Post-Kyoto-Vorschlägen enthaltenen Ansätze, in die zukünftigen Verpflichtungen nicht nur quantifizierte Ziele, sondern auch konkrete Maßnahmen einzubeziehen, sollten deshalb dringend weiterentwickelt, ergänzt und präzisiert werden. Denkbar wäre etwa ein „Menü“ vorgegebener Maßnahmen in den relevanten Handlungsfeldern, z.B. Abbau von schädlichen Subventionen – progressive Tarifstrukturen mit Grundfreibeträgen – schrittweise erhöhte Besteuerung fossiler Energieträger; Motivation, Training und Beratung für regionale und lokale Regierungen - Vereinbarungen mit Kommunen und Regionen zur Umsetzung umfassender lokaler und regionaler Klimaschutzprogramme; Schrittweise verbesserte Effizienzstandards für Geräte und Fahrzeuge usw. usf. – die erforderlichen Maßnahmen sind im Prinzip längst bekannt. Wieso sollten sie nicht Teil eines neuen Klimaregimes werden? Jede Regierung kann und muss sich dann aus dem Maßnahmen-Menü ihr Programm zusammenstellen und umsetzen. Zumindest für die „Einsteiger“ in die Post-Kyoto-Verpflichtungen, wenn nicht für alle, wäre dies ein Schritt, der vielleicht nicht eine bestimmte Emissionsminderungsmenge bis um Zeitpunkt x garantiert, dafür aber die nachhaltigere Entwicklung.
Veröffentlicht in „Böll.Thema“, Ausgabe 1/2007
Eingestellt von
goal
0
Kommentare







