Frauen. Energie. Technik. Zukunft?
In traditionellen nicht-technisierten Gesellschaftssystemen war und ist Energie weitgehend eine Domäne der Frauen, abgesehen vom Transportsektor. Auf dem Kutschbock saß schon immer ein Mann, und die meisten Frauen geben auch heute noch das Steuer ganz schnell ab, wenn ein Mann dabei ist. Dieser hat jedoch den ursprünglichsten Sektor der Energienutzung, das Kochen, schon immer gerne den Frauen überlassen, es sei denn, man kann damit Geld verdienen oder im Fernsehen auftreten.
Vor allem das Sammeln des Brennstoffs überlässt er gerne den Frauen, jedenfalls dort, wo der Strom nicht aus der Steckdose kommt. Bekanntes Bild, das beim Thema Frauen und Energie vor dem inneren Auge erscheint: schwarze Frau mit Kind auf dem Rücken und riesigem Stapel Brennholz auf dem Kopf. Für Millionen von Frauen und Mädchen ist dies auch immer noch Realität, durch Entwaldung und Klimawandel sogar unter erschwerten Bedingungen.
In Bangladesch zum Beispiel leben 80% der Bevölkerung in ländlichen Regionen, verfügen aber nur über 20% der kommerziell bereitgestellten Energie. Unter Mitberücksichtigung traditioneller Energiequellen werden jedoch über 70% des Energieverbrauchs durch Biomasse gedeckt. Die Belastung der Frauen besteht nicht nur in der wörtlich zu verstehenden Last durch das Holzsammeln, sondern auch in den Schadstoffen wie Feinstaub und Kohlenmonoxid aus der Nutzung der Biobrennstoffe zum Kochen. In Indien etwa stehen Probleme wie chronische Bronchitis und andere Atemwegserkrankungen durch Luftverschmutzung in Innenräumen an dritter Stelle aller Gesundheitsrisiken.
Initiativen zur Verbreitung effizienter Kochherde sind ein erster Schritt zur Verbesserung dieser Situation. Ein nächster Schritt wären saubere Brennstoffe, etwa Biogas. Bei der Förderung ländlicher Energieprojekte wird jedoch oft die Stromerzeugung favorisiert, mit dem Argument, Elektrifizierung sei der Schlüssel zur ökonomischen und sozialen Entwicklung in den ländlichen Regionen. Inwieweit die dadurch möglichen Stromanwendungen den Frauen weiterhelfen, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Sicher ist es auch für die Frauen nützlich, abends Licht zu haben, ob sie jedoch an Informations- und Kommunikationstechnologien und am Betrieb der Versorgungsanlagen wirklich teilhaben können, ist angesichts der Geschlechterrollen in vielen Ländern fraglich. Mir ist nur ein einziges ländliches Solarstromprojekt bekannt, das von Frauen betrieben wird. Ansonsten besteht die Gefahr, dass den Frauen zugunsten der Männer die Kontrolle über Energie entzogen wird. Schließlich geht es in der Regel um technische Anlagen. Hier unterscheiden sich traditionelle Gesellschaften und unsere hochtechnisierte Gesellschaft nur gering: Welche Ehefrau kann denn bei uns die Heizung bedienen? Wer trifft die Entscheidung, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren?
Dass in der konventionellen Energiebranche der Frauenanteil gering ist, sind wir gewohnt. Dass sich dies in der stark wachsenden Zukunftsbranche „erneuerbare Energien“ kaum geändert hat, ist jedoch ernüchternd. Der Frauenanteil ist dort nahezu so niedrig wie bei den etablierten Stromversorgungsunternehmen. Einen spontanen Eindruck vermittelt eine google-Bildersuche, etwa mit den Begriffen „Vorstand“ und „erneuerbare Energie“: Fotos wie nach einer Epidemie, die ausschließlich Frauen befällt.
Auch wenn die Erneuerbare-Energie-Branche ursprünglich mit großen Idealismus angetreten ist, ist in vielen dieser Betriebe von der Vision nichts mehr zu spüren – nicht nur, was den Frauenanteil anbetrifft. Doch hier findet Wachstum statt, angetrieben vom Klimaschutz und steigenden Energiepreisen. In Deutschland ist die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien jährlich um 15% gestiegen, mittlerweile liegt die Zuwachsrate sogar bei 20%. Der Frauenanteil liegt in der gesamten Branche allerdings bei nur 25%, die Frauen profitieren also nicht im selben Maße vom Boom.
Ist hier die Entwicklung an den Frauen vorbeigegangen? Oder sind die Frauen wirklich die besseren Menschen, die weiterhin unbezahlte Arbeit in Initiativen machen, während sich die männlichen Manager der erneuerbaren Energiebranche anständige oder auch schon unanständige Gehälter zubilligen?
Desinteressiert sind die Frauen an den umweltfreundlichen Energieversorgungsoptionen beileibe nicht. Die Einstellungen von Frauen zu Energie und Umwelt unterscheiden sich deutlich von der der Männer. In Deutschland sorgen sich Frauen mehr um die Umwelt als Männer, und sie stufen einige der bedeutendsten Umweltprobleme gravierender ein. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den Themen Verkehr und Atomenergie.
Gleichzeitig zeigen die Umfragen, dass die Handlungsbereitschaft der Frauen größer ist als die der Männer, und dass sie von der Politik ein entschiedeneres Durchgreifen erwarten, besonders im Klimaschutz. Andererseits ist ihr Informationsbedarf höher, zumindest ihr gefühltes Informationsdefizit.
Während Frauen eher bereit sind, ihr Verhalten zu ändern und beispielsweise Energie zu sparen, ist die Idee einer „unendlichen“ Energiequelle“ eine typische Männervision. Frauen sind von solchen Technikutopien meist nicht befallen, sondern sehen eher ein, dass die Lösung nicht in einer einzigen Technologie zu finden ist, sondern in vielen Bausteinen: Energieeffizienz, erneuerbare Energiequellen, und nicht zuletzt Verhaltensänderungen.
Besonders deutlich zeigt sich dies im Verkehrsbereich: Die Biokraftstoffe wie Rapsöl oder Biodiesel sind seit kurzem in Misskredit geraten, weil deutlich wurde, dass ein erheblicher Teil dieser weitgehend klimaneutralen Kraftstoffe nicht nachhaltig produziert wird. Ihre Erzeugung zieht oft negative Folgen nach sich, sei es die Abholzung von Tropenwäldern zugunsten von Ölpalmenplantagen, sei es die Verteuerung von Lebensmitteln. Promotet werden die Biokraftstoffe vor allem von Männern, die hoffen, dass sie der schlichte Ersatz des herkömmlichen Sprits durch Biokraftstoffe einer einschneidenden Veränderung ihres Mobilitätsgebarens entheben würde. Leider ist das so einfach nicht.
Umwelt- und klimaverträgliche Mobilität braucht strukturelle Änderungen – heftige Verschiebungen vom Individualverkehr zu öffentlichen Verkehrsmitteln, und, für den restlichen Individualverkehr, Fahrzeuge, die mit deutlich weniger Sprit auskommen. Da muss Mann irgendwann einmal akzeptieren, dass er auch mit einem kleineren Wagen von A nach B kommt ohne einen Verlust seines Selbstwertgefühls zu erleiden. Die Frauen haben das längst verstanden, beim Autokauf bewerten sie Verbrauch, Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit merklich höher als Männer. Vielleicht sind wir doch die besseren Menschen?
Vor allem das Sammeln des Brennstoffs überlässt er gerne den Frauen, jedenfalls dort, wo der Strom nicht aus der Steckdose kommt. Bekanntes Bild, das beim Thema Frauen und Energie vor dem inneren Auge erscheint: schwarze Frau mit Kind auf dem Rücken und riesigem Stapel Brennholz auf dem Kopf. Für Millionen von Frauen und Mädchen ist dies auch immer noch Realität, durch Entwaldung und Klimawandel sogar unter erschwerten Bedingungen.
In Bangladesch zum Beispiel leben 80% der Bevölkerung in ländlichen Regionen, verfügen aber nur über 20% der kommerziell bereitgestellten Energie. Unter Mitberücksichtigung traditioneller Energiequellen werden jedoch über 70% des Energieverbrauchs durch Biomasse gedeckt. Die Belastung der Frauen besteht nicht nur in der wörtlich zu verstehenden Last durch das Holzsammeln, sondern auch in den Schadstoffen wie Feinstaub und Kohlenmonoxid aus der Nutzung der Biobrennstoffe zum Kochen. In Indien etwa stehen Probleme wie chronische Bronchitis und andere Atemwegserkrankungen durch Luftverschmutzung in Innenräumen an dritter Stelle aller Gesundheitsrisiken.
Initiativen zur Verbreitung effizienter Kochherde sind ein erster Schritt zur Verbesserung dieser Situation. Ein nächster Schritt wären saubere Brennstoffe, etwa Biogas. Bei der Förderung ländlicher Energieprojekte wird jedoch oft die Stromerzeugung favorisiert, mit dem Argument, Elektrifizierung sei der Schlüssel zur ökonomischen und sozialen Entwicklung in den ländlichen Regionen. Inwieweit die dadurch möglichen Stromanwendungen den Frauen weiterhelfen, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Sicher ist es auch für die Frauen nützlich, abends Licht zu haben, ob sie jedoch an Informations- und Kommunikationstechnologien und am Betrieb der Versorgungsanlagen wirklich teilhaben können, ist angesichts der Geschlechterrollen in vielen Ländern fraglich. Mir ist nur ein einziges ländliches Solarstromprojekt bekannt, das von Frauen betrieben wird. Ansonsten besteht die Gefahr, dass den Frauen zugunsten der Männer die Kontrolle über Energie entzogen wird. Schließlich geht es in der Regel um technische Anlagen. Hier unterscheiden sich traditionelle Gesellschaften und unsere hochtechnisierte Gesellschaft nur gering: Welche Ehefrau kann denn bei uns die Heizung bedienen? Wer trifft die Entscheidung, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren?
Dass in der konventionellen Energiebranche der Frauenanteil gering ist, sind wir gewohnt. Dass sich dies in der stark wachsenden Zukunftsbranche „erneuerbare Energien“ kaum geändert hat, ist jedoch ernüchternd. Der Frauenanteil ist dort nahezu so niedrig wie bei den etablierten Stromversorgungsunternehmen. Einen spontanen Eindruck vermittelt eine google-Bildersuche, etwa mit den Begriffen „Vorstand“ und „erneuerbare Energie“: Fotos wie nach einer Epidemie, die ausschließlich Frauen befällt.
Auch wenn die Erneuerbare-Energie-Branche ursprünglich mit großen Idealismus angetreten ist, ist in vielen dieser Betriebe von der Vision nichts mehr zu spüren – nicht nur, was den Frauenanteil anbetrifft. Doch hier findet Wachstum statt, angetrieben vom Klimaschutz und steigenden Energiepreisen. In Deutschland ist die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien jährlich um 15% gestiegen, mittlerweile liegt die Zuwachsrate sogar bei 20%. Der Frauenanteil liegt in der gesamten Branche allerdings bei nur 25%, die Frauen profitieren also nicht im selben Maße vom Boom.
Ist hier die Entwicklung an den Frauen vorbeigegangen? Oder sind die Frauen wirklich die besseren Menschen, die weiterhin unbezahlte Arbeit in Initiativen machen, während sich die männlichen Manager der erneuerbaren Energiebranche anständige oder auch schon unanständige Gehälter zubilligen?
Desinteressiert sind die Frauen an den umweltfreundlichen Energieversorgungsoptionen beileibe nicht. Die Einstellungen von Frauen zu Energie und Umwelt unterscheiden sich deutlich von der der Männer. In Deutschland sorgen sich Frauen mehr um die Umwelt als Männer, und sie stufen einige der bedeutendsten Umweltprobleme gravierender ein. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den Themen Verkehr und Atomenergie.
Gleichzeitig zeigen die Umfragen, dass die Handlungsbereitschaft der Frauen größer ist als die der Männer, und dass sie von der Politik ein entschiedeneres Durchgreifen erwarten, besonders im Klimaschutz. Andererseits ist ihr Informationsbedarf höher, zumindest ihr gefühltes Informationsdefizit.
Während Frauen eher bereit sind, ihr Verhalten zu ändern und beispielsweise Energie zu sparen, ist die Idee einer „unendlichen“ Energiequelle“ eine typische Männervision. Frauen sind von solchen Technikutopien meist nicht befallen, sondern sehen eher ein, dass die Lösung nicht in einer einzigen Technologie zu finden ist, sondern in vielen Bausteinen: Energieeffizienz, erneuerbare Energiequellen, und nicht zuletzt Verhaltensänderungen.
Besonders deutlich zeigt sich dies im Verkehrsbereich: Die Biokraftstoffe wie Rapsöl oder Biodiesel sind seit kurzem in Misskredit geraten, weil deutlich wurde, dass ein erheblicher Teil dieser weitgehend klimaneutralen Kraftstoffe nicht nachhaltig produziert wird. Ihre Erzeugung zieht oft negative Folgen nach sich, sei es die Abholzung von Tropenwäldern zugunsten von Ölpalmenplantagen, sei es die Verteuerung von Lebensmitteln. Promotet werden die Biokraftstoffe vor allem von Männern, die hoffen, dass sie der schlichte Ersatz des herkömmlichen Sprits durch Biokraftstoffe einer einschneidenden Veränderung ihres Mobilitätsgebarens entheben würde. Leider ist das so einfach nicht.
Umwelt- und klimaverträgliche Mobilität braucht strukturelle Änderungen – heftige Verschiebungen vom Individualverkehr zu öffentlichen Verkehrsmitteln, und, für den restlichen Individualverkehr, Fahrzeuge, die mit deutlich weniger Sprit auskommen. Da muss Mann irgendwann einmal akzeptieren, dass er auch mit einem kleineren Wagen von A nach B kommt ohne einen Verlust seines Selbstwertgefühls zu erleiden. Die Frauen haben das längst verstanden, beim Autokauf bewerten sie Verbrauch, Wirtschaftlichkeit und Umweltfreundlichkeit merklich höher als Männer. Vielleicht sind wir doch die besseren Menschen?

